Teuer und unzuverlässig: Bluttests der Schilddrüse

Schilddrüsen-Bluttests sind in Nigeria (und auch überall sonst auf der Welt) teuer. Die Zuverlässigkeit der Tests wird normalerweise dann in Frage gestellt, wenn der klinische Befund = vorhandene Symptome und Anzeichen, im Gegensatz zum Bluttest stehen. Also einfach gesagt: Der Patient hat weiterhin Symptome einer Schilddrüsenunterfunktion oder Schilddrüsenüberfunktion, obwohl die Blutwerte der Schilddrüse normal anzeigen.

Unzuverlässigkeit von fT4 und fT3 bei einer Schilddrüsenüberfunktion

Bei der Erkennung einer Schilddrüsenüberfunktion zeigt der klinische Wayne-Index – entwickelt in den 60er Jahren durch “Versuch und Irrtum” – auch heute noch eine bemerkenswerte Zuverlässigkeit und kann Ärzten zusätzlich zu den Bluttests eine wichtige Entscheidungshilfe in der Diagnose sein.

Fallbeispiel:

Eine 40 Jahre alte Frau litt seit 9 Jahren an einer Nackenschwellung, Hitze-Intoleranz, schwitzte übermäßig stark, litt an einer Muskelschwäche und an Gewichtsverlust trotz erhöhtem Appetit. Sie litt auch an Zittern der Hände sowie feuchten Händen. Der Puls war mit 104 Schlägen/Minute erhöht.

Ihre Schilddrüsen-Bluttests zeigten sich jedoch relativ unauffällig, die freien Werte waren sogar viel zu niedrig bzw. unterhalb der Norm. Der TSH zeigte sich jedoch supprimiert. Wie man sieht – auch freie Werte, fT3 und fT4 stehen hier in keinem Zusammenhang zum TSH.

fT3 1,8 (3-5,2 pg/ml)
fT4 1,4 (0,7-1,7 pg/ml)
TSH 0,1 (0,54-3,7 uIU/ml)

Der Wayne-Index zeigte jedoch eine Gesamtpunktzahl von 25 Punkten an und zeigt somit eine toxische Schilddrüsenüberfunktion an.

Schlussfolgerungen des Federal Medical Centre in Nigeria: Der Wayne Index bleibt ein nützliches Diagnose-Werkzeug in den Fällen, bei denen die Schilddrüsen-Bluttests im Widerspruch zum klinischen Verdacht stehen.

Klinische Befunderhebung bei Schilddrüsenerkrankungen nach Scores

Blutergebnisse stehen immer dann im Widerspruch zum klinischen Verdacht, wenn Patienten weiterhin an typischen Symptomen einer Unterfunktion oder Überfunktion leiden, obwohl die Blutwerte normal anzeigen.

Leider bekommen Ärzte in der Ausbildung nicht mehr vermittelt, wie man klinisch eine Schilddrüsenunterfunktion/Schilddrüsenüberfunktion diagnostiziert.
 
Stattdessen vermuten sie regelmässig, dass typische, weiterhin bestehende Unterfunktions-Symptome trotz einem TSH-Wert innerhalb des Referenzbereichs andere Ursachen haben muss, die dann häufig durch verschiedene Medikamente mit starken Nebenwirkungen behandelt werden.

Jedoch könnten die klassischen Scores zur Erkennung einer Schilddrüsenunterfunktion (Wayne´s Score, Billewicz Score, Zulewski Score, TSQ-Fragebogen) auch heute noch  Ärzten eine großartige Hilfe in der Diagnose einer Schilddrüsenunterfunktion sein und wären sicherlich treffsicherer als so mancher TSH-Bluttest.

Auch schließen die meisten Ärzte bis heute aus einem supprimierten TSH unter Schilddrüsenhormongabe gerne auf eine Schilddrüsenüberfunktion, obwohl die freien Werte womöglich weiterhin niedrig innerhalb des Referenzbereiches liegen und keine Überfunktion anzeigen. Auch hier könnte der klassische Wayne´s Score  hilfreich sein und dem Arzt erkennen helfen, dass ein supprimierter TSH-Test ohne Anzeichen einer Schilddrüsenüberfunktion nicht gefährlich für Patienten ist.

Wie wir immer wieder an Beispielen von Patienten sehen, können Bluttests für sich alleine nicht als zuverlässiges Diagnose-Instrument für Schilddrüsenerkrankungen hergenommen werden, weder TSH noch fT3 noch fT4. Weder für Schilddrüsenüberfunktion noch für Schilddrüsenunterfunktion.

Dafür benutzten Dr. John C. Lowe und seine Kollegen eine Menge anderer aussagekräftige Messwerte und Diagnostik-Methoden:

– gründliche Anamnese eines jeden Patienten auf typische Symptome einer Schilddrüsenunterfunktion/Überfunktion anhand klinisch erprobten Symptom-Scores

– Messungen der basalen Stoffwechselrate mit einem Kalorimeter

– Messungen der Basaltemperatur nach Dr. Broda Barnes

– Messungen des Achilles-Sehnen-Reflexes

– Messungen des basalen Ruhepulses und des Blutdrucks

– LDF-Cholesterin-Bluttest – ein erhöhter Cholesterintest spricht für zu wenig Schilddrüsenhormone

– Messungen des Erythropoetin-Wertes. Erythropoetin ist ein Protein, welches zu niedrig sein kann, wenn durch zu wenige Schilddrüsenhormone der Sauerstoffbedarf des Gewebes abnimmt

Schilddrüsenpatienten wünschen sich von ihren Ärzten eine ebensolche gründliche Untersuchung und Einstellung ihrer Schilddrüsenunterfunktion wie bei Dr. John C. Lowe und seinen Kollegen.

Quelle

www.endocrine-abstracts.org/ea/0021/ea0021P367.htm

http://web.archive.org/web/20101030184516/http://drlowe.com/QandA/askdrlowe/dxthyrd.htm

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